

Datum:
22.02.2010
Thema:
Clubabend "Die Marke im Spannungsfeld zwischen Wertevernichtung und Wertschöpfung"
Referent:
Martin Ruppmann
Firma:
Markenverband e.V.
Ort:
Hotel InterContinental, Fontenay 10
Bericht:
Im Penthouse des Hotel InterContinental
begrüßte der Programmvorstand des
Marketing Club Hamburg, Dr. Christian
Duncker, die rund 70 anwesenden
Mitglieder und Gäste zum Vortrag, „Die
Marke im Spannungsfeld zwischen
Wertevernichtung und Wertschöpfung“. Als
Referenten zu diesem Thema konnte er
den extra aus Berlin angereisten Martin
Ruppmann, Geschäftsführer im
Markenverband, gewinnen. Neben seiner
Tätigkeit für den Markenverband ist
Ruppmann Geschäftsführer des
Kosmetikverbandes vke, der markenartikel
Verlag und Service GmbH, der Fragrance
Foundation Deutschland, sowie der
Gesellschaft zur Erforschung des
Markenwesens – wie Duncker sagte: „ein
echter Vielfach-Geschäftsführer“.
Nach einem kurzen Einblick in die Struktur
des Markenverbandes mit seinen etwa 400
Mitgliedern, die mit über 1,5 Mio.
Mitarbeitern für einen Jahresumsatz von €
500 Mrd. stehen, nannte Ruppmann
zunächst das zentrale Credo des
Markenverbandes: „Ein klares Bekenntnis zu
den Zielen der Sozialen Marktwirtschaft, zu
nachhaltigem und
verantwortungsbewusstem wirtschaftlichen
Handeln und zur Förderung von Qualität
und Leistungswettbewerb auf allen Ebenen“.
Aus diesem Credo leiten sich auch die
wesentlichen Wirkungsfelder des
Markenverbandes ab:
* Schaffung eines markenfreundlichen
Wirtschaftsumfeldes.
* Stärkung des Leistungswettbewerbes –
Handelskonzentration und unlauteren
Wettbewerb bekämpfen
* Schutz von geistigem Eigentum – die
Bekämpfung von Marken- und
Produktpiraterie
* Entwicklung des Markenrechts und der
Markenadministration
* Erhalt der Freiheit auf den Werbe- und
Kommunikationsmärkten
* Dialog mit Politik, NGO‘s, Stiftung
Warentest und Verbrauchervereinigungen
* Gestaltung von markenfreundlichen
Rahmenbedingungen in Umwelt, Verkehr,
Verbraucherschutz und Logistik
Doch bevor Ruppmann auf die
verschiedenen Leistungen des
Markenverbandes eingeht, zeigt er seinen
Zuhörern, dass die Marke derzeit ein echter
Erfolgsfaktor ist. So ist beispielsweise das
Markenvertrauen nach 2005 massiv
gestiegen. Auch die Markenbindung ist –
allen Unkenrufen zum Trotz – in
Deutschland immer noch sehr hoch. Dieses
Konsumklima macht die Marke jedoch
leider nicht nur erfolgreich, sondern auch
von außen angreifbar.
In einem komplexen Beziehungsgeflecht
zwischen Lieferanten, Medien, Mitarbeitern,
Konsumenten, Handel, Staat und Medien,
sind in der praktischen Markenführung eine
Vielzahl von Herausforderungen zu
meistern. Der Markenverband steht der
Markenwirtschaft in der Mehrzahl dieser
Felder als Ansprechpartner zur Verfügung.
Als wesentliche aktuelle Fragestellungen
nannte Martin Ruppmann den
Konzentrationsprozess im Handel, die
Produkt- und Markenkriminalität sowie die
Zunahme an werberechtlichen Vorgaben
und der hiermit einher gehenden
Beschneidung der Werbefreiheit.
Zum Kräfteverhältnis von Handel und
Markenanbietern wies Ruppmann auf ein
wachsendes Ungleichgewicht hin: Während
beispielsweise ein Vollsortimenter
durchschnittlich etwa 1 Prozent seines
Sortimentes von einem Hersteller bezieht,
macht der Anteil eines Händlers bei einem
Markenartikler etwa 20 Prozent aus.
Hierdurch entsteht, so Ruppmann, ein
ungleiches Kräfteverhältnis zwischen
beiden Beteiligten. Um dieses
Ungleichverhältnis zumindest in Teilen zu
entkräften wurde in 2007 unter Mitwirkung
des Markenverbandes die GWB-Novelle
verfasst. Hierin wurden unter anderem eine
Verschärfung der Missbrauchsaufsicht,
sowie das so genannte
Untereinstandspreisverbot festgeschrieben.
Als weiteres großes Arbeitsfeld zeigte
Martin Ruppmann die Probleme von
Produkt- und Markenpiraterie auf. So
werden an Europas Grenzen immer mehr
Fälschungen beschlagnahmt. Weltweit
entsteht durch diesen „Wirtschaftszweig“
mittlerweile ein Schaden von deutlich über
US-$ 230 Mrd. – Tendenz deutlich
steigend. Durch Markenpiraterie entstehen
nicht nur den eigentlichen Markenrechte-
Inhabern materielle Verluste und
Imageschäden. Nicht selten leiden zudem
auch die Nutzer von Raubkopien!
Ruppmann zeigt Bilder von Nutzern
gefälschter Sonnencremes, bei denen leider
der Lichtschutz fehlte... Die Folge: Massive
Hautverbrennungen. Ein anders Beispiel:
Parfum-Plagiate führten bei deren Nutzern
zu gefährlichen Hautausschlägen. Dies
waren nur zwei Beispiele – doch sie zeigen,
dass Produkt- und Markenpiraterie sowohl
für Unternehmen, als auch für
Volkswirtschaften und jeden einzelnen
Konsumenten eine wesentliche Gefahr
darstellen. Eine Gefahr, für deren
Eindämmung sich der Markenverband
national, europaweit und international
einsetzt.
Auch auf die vielen weiteren Wirkungsfelder
des Markenverbandes ging Martin
Ruppmann in seiner Präsentation ein. Von
der Diskussion zu
Kennzeichnungspflichten, über
Werbeverbote und Verpackungsleitlinien,
bis hin zur Unterstützung bei der
Erarbeitung von CSR-Politiken und einen
eigens hierfür erarbeiteten Codes of
Conducts (CoC) ist der Markenverband in
vielen Bereichen aktiv. Doch, so Ruppmann,
lassen sich leider nicht alle Themen in
lediglich einer Stunde in aller Breite
darstellen... Der Verband ist jedoch für alle
Fragen in diesem Zusammenhang offen –
wie übrigens auch für neue Mitglieder aus
der Markenwirtschaft.
Nach der anschließenden Diskussion dankte
Dr. Christian Duncker dem Referenten
herzlich für die interessanten Einsichten in
das politische und juristische
Spannungsfeld des Erfolgsfaktors Marke.
Passend zum grandiosen Alsterblick des
InterConti-Penthouses übergab Dr.
Duncker dem „Vielfach-Geschäftsführer“
Martin Ruppmann als Geste des Dankes die
traditionelle Messing-Schiffsglocke des
Marketing Clubs Hamburg.
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